Julia Exler

28 Jahre, Einkäuferin bei Brand Qualitätsfleisch in Lohne

Ich hinterfrage mich jeden Tag, ob das, was ich tue, im Sinne des Tieres und des Menschen ist.

Ich bin soweit ich weiß, eine der einzigen weiblichen Einkäuferinnen für Schweine in Deutschland. Die Branche ist immer noch sehr männlich geprägt. Das erste Jahr war hart, ich musste erst lernen, mich als junge Frau durchzusetzen. Es hat mir geholfen, dass meine Familie Viehhandel macht. Als Kind bin ich bereits in den LKW’s mitgefahren. Ich wusste also, wie ich mit den Fahrern und Landwirten reden muss.

So oft wie möglich fahre ich auf die Bauernhöfe, von denen wir die Schweine kaufen. Es ist mir sehr wichtig, dass die Landwirte, Viehhändler und Transporteure zu uns passen. Ich will, dass wir die gleichen Zukunftsperspektive teilen. Wo wollen sie hin? Wenn ich was verändern will, muss das Mindset passen, und das sollte in meinen Augen immer positiv sein.

Ich bin verantwortlich für den Einkauf der Schweine aus den höheren Haltungsformen. Eine Veränderung, die ich angestoßen habe, war die Einführung eines eigenen Fuhrparks mit fest angestellten Fahrern. Dadurch schaffen wir mehr Transparenz und können den Transport der Tiere direkter begleiten und kontrollieren. Gleichzeitig beschäftige ich mich mit ganz praktischen Fragestellungen: Wie lassen sich Transportwege möglichst kurz halten? Welche Besatzdichte auf einem Lkw ist verantwortungsvoll? Dabei geht es für mich nicht nur darum, gesetzliche Vorgaben einzuhalten, sondern kontinuierlich zu hinterfragen, wie wir unsere eigenen Standards weiter verbessern. Ich hinterfrage mich jeden Tag, ob das, was ich tue, im Sinne des Tieres und des Menschen ist.

Julia Exler steht neben einem Schwein in einem Transportfahrzeug

Mein Ziel ist es, die Branche innovativ und neu zu denken. Durch die öffentliche Auseinandersetzung mit Schlachtbetrieben, hinterfrage ich noch mehr meine eigene Arbeit. Was kann ich noch besser machen? Oft wirken Maßnahmen, die dem Tierwohl zugutekommen, auf Bildern gar nicht so, wie man es erwarten würde. Umso wichtiger ist es mir, ehrlich und transparent zu zeigen, was dahintersteckt. Vielleicht ist das auch Teil der modernen Note, die ich mitbringe. Denn gegenseitiges Vertrauen und eine gute Kommunikation zwischen allen Seiten ist mir sehr wichtig.

Porträt von Julia Exler im Freien

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Was sagt die Haltungskennzeichnung bei Frischfleisch aus?
Die Haltungskennzeichnung bei Frischfleisch zeigt, unter welchen Bedingungen das Tier gehalten wurde. Der Lebensmitteleinzelhandel nutzt fünf Stufen: von Stallhaltung bis Freilandhaltung. Wichtig: Die fünf Stufen sind ein freiwilliges System der Wirtschaft und des Handels. Daneben baut der Staat seit 2023 eine eigene, verpflichtende Kennzeichnung auf. Sie erfasst bislang nur Frischfleisch vom Schwein.
Weil unterschiedliche Akteure eigene Standards setzen: Handel, Verbände, NGOs und der Gesetzgeber. Das mag unübersichtlich erscheinen, ist aber ein Zeichen echter Bemühungen. Ein genauerer Blick lohnt sich. Eine einheitliche staatliche Kennzeichnung kommt mit dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz schrittweise.
Bei frischem Schweinefleisch sind Aufzucht- und Schlachtland auf der Verpackung Pflicht. Bei Rindfleisch geht das weiter: dort müssen Geburts-, Mast- und Schlachtland angegeben werden. Für verarbeitetes Fleisch gilt das nicht. Wer gezielt einkauft, fragt beim Händler nach oder direkt an der Theke.

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