Wenn ich heute Fleisch esse, dann ist mir wichtig, mich bewusst dafür zu entscheiden.
Ich hatte immer eine enge Beziehung zu den Schweinen. Mit meinem Vater war ich viel im Stall und habe es genossen, mit diesen spannenden, neugierigen Tieren zu arbeiten. Wir haben nicht übermäßig Fleisch gegessen, doch es gehörte selbstverständlich mit dazu. In meiner Kindheit habe ich auch gelernt, dass ein Schwein aus ganz vielen verschiedenen Teilen besteht. Meine Mutter ist eine sehr gute Köchin und konnte aus allen diesen Teilen etwas leckeres kochen, z.B. auch aus dem fetten Bauch. Ich bin dankbar, dass ich diese Bandbreite miterleben durfte. Deswegen ist es mir sehr wichtig, dass wir ein Tier ganz verwerten.
Mit Ende 20 habe ich mich sehr spät dafür entschieden, den Betrieb zu übernehmen. Ich bin das Nestkücken, meine beiden Schwestern wollten nicht, also lag die Entscheidung bei mir. Ich habe Landwirtschaft studiert und gemerkt, welche Vorteile es haben kann, selbstständig zu sein.
Ich habe gerne Verantwortung, für Tiere und für Menschen. Außerdem organisiere und plane ich gerne, und ich finde es toll, eigene Entscheidungen treffen zu können. Ich habe vier kleine Kinder. Manchmal ist es schwierig Mutter und Hof-Chefin gleichzeitig zu sein. Ohne die Unterstützung meiner Eltern ginge es nicht.
Wenn ich heute Fleisch esse, dann ist mir wichtig, mich bewusst dafür zu entscheiden. Ich will wissen, woher das Tier stammt und wie es gelebt hat. Wer selbst Tiere versorgt und aufzieht, entwickelt zwangsläufig eine andere Wertschätzung.
Es muss nicht für jeden so sein, aber Schweinefleisch gehört für mich zur einer ausgewogenen Ernährung dazu. Schweine sind ja Allesfresser und können Dinge, die wir nicht essen können, für uns verwertbar machen. Ich finde es wichtig, diesen Kreislauf zu nutzen. Einmal im Jahr schlachten wir für unsere Familie ein Schwein. Davon können wir sehr gut und sehr lange von leben. Ich wünsche mir, dass Schweinehaltung in Deutschland wieder mehr anerkannt und Schweinefleisch wertgeschätzt wird. Ich selbst fühle mich in meiner Arbeit wertgeschätzt. Wir haben die letzten Jahre aber auch viel investiert, in neue Stallkonzepte, das wird von den Menschen hier gesehen.
Mir ist wichtig, Menschen zu erklären, was wir hier tun. Ein entscheidender Moment für mich war, als ich hörte, dass ein Kind aus dem Nachbardorf erzählte, es hätte noch nie ein Schwein gesehen. Da wusste ich, ich muss meine Arbeit sichtbarer machen. Denn wie sollen Menschen wissen, wie es den Tieren geht, wenn sie sie nie sehen?“
Was bedeutet Fleisch für dich? Teile deine Perspektive und mach mit!
Für dieses YouTube-Video ist eine Einwilligung erforderlich. Bitte akzeptiere YouTube in den Cookie-Einstellungen und lade das Video anschließend neu.