Gesa Langenberg

37 Jahre, Landwirtin eines Schweinemastbetriebs in Drentwede in Niedersachsen

Wenn ich heute Fleisch esse, dann ist mir wichtig, mich bewusst dafür zu entscheiden.

Ich hatte immer eine enge Beziehung zu den Schweinen. Mit meinem Vater war ich viel im Stall und habe es genossen, mit diesen spannenden, neugierigen Tieren zu arbeiten. Wir haben nicht übermäßig Fleisch gegessen, doch es gehörte selbstverständlich mit dazu. In meiner Kindheit habe ich auch gelernt, dass ein Schwein aus ganz vielen verschiedenen Teilen besteht. Meine Mutter ist eine sehr gute Köchin und konnte aus allen diesen Teilen etwas leckeres kochen, z.B. auch aus dem fetten Bauch. Ich bin dankbar, dass ich diese Bandbreite miterleben durfte. Deswegen ist es mir sehr wichtig, dass wir ein Tier ganz verwerten.

Mit Ende 20 habe ich mich sehr spät dafür entschieden, den Betrieb zu übernehmen. Ich bin das Nestkücken, meine beiden Schwestern wollten nicht, also lag die Entscheidung bei mir. Ich habe Landwirtschaft studiert und gemerkt, welche Vorteile es haben kann, selbstständig zu sein.

Ich habe gerne Verantwortung, für Tiere und für Menschen. Außerdem organisiere und plane ich gerne, und ich finde es toll, eigene Entscheidungen treffen zu können. Ich habe vier kleine Kinder. Manchmal ist es schwierig Mutter und Hof-Chefin gleichzeitig zu sein. Ohne die Unterstützung meiner Eltern ginge es nicht.

Wenn ich heute Fleisch esse, dann ist mir wichtig, mich bewusst dafür zu entscheiden. Ich will wissen, woher das Tier stammt und wie es gelebt hat. Wer selbst Tiere versorgt und aufzieht, entwickelt zwangsläufig eine andere Wertschätzung.

Landwirtin Gesa Langenberg mit Schweinen in ihrem Stall in Drentwede

Es muss nicht für jeden so sein, aber Schweinefleisch gehört für mich zur einer ausgewogenen Ernährung dazu. Schweine sind ja Allesfresser und können Dinge, die wir nicht essen können, für uns verwertbar machen. Ich finde es wichtig, diesen Kreislauf zu nutzen. Einmal im Jahr schlachten wir für unsere Familie ein Schwein. Davon können wir sehr gut und sehr lange von leben. Ich wünsche mir, dass Schweinehaltung in Deutschland wieder mehr anerkannt und Schweinefleisch wertgeschätzt wird. Ich selbst fühle mich in meiner Arbeit wertgeschätzt. Wir haben die letzten Jahre aber auch viel investiert, in neue Stallkonzepte, das wird von den Menschen hier gesehen.

Mir ist wichtig, Menschen zu erklären, was wir hier tun. Ein entscheidender Moment für mich war, als ich hörte, dass ein Kind aus dem Nachbardorf erzählte, es hätte noch nie ein Schwein gesehen. Da wusste ich, ich muss meine Arbeit sichtbarer machen. Denn wie sollen Menschen wissen, wie es den Tieren geht, wenn sie sie nie sehen?“

Gesa Langenberg im Porträt auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb

Du willst mehr [wissen?]

Welche Formen der Schweinehaltung gibt es in Deutschland und was sind die (größten) Unterschiede?
Der gesetzliche Mindeststandard beschreibt die Grundlagen der Haltung im Stall. Darüber hinaus gibt es abgestufte Haltungsformen mit mehr Platz, Stroh oder Außenbereichen, bis hin zu Bio-Haltung mit Freilandzugang. Stand Mai 2026 halten rund 14.700 Betriebe etwa 21 Millionen Schweine. Die Unterschiede dabei betreffen Platzangebot, Beschäftigung, Fütterung und den Außenzugang.
Stallbau ist ein Balanceakt: Mehr Platz und Beschäftigungsmaterial verbessern das Tierwohl, erhöhen aber auch die Kosten. Hinzu kommen verschärfte Emissionsauflagen und Haltungsanforderungen, die sich laufend verändern. Mehr Tierwohl kann nur gelingen, wenn alle Verantwortung übernehmen: Landwirte, die höhere Standards umsetzen, Handel und Politik, die für verlässliche Bedingungen sorgen und Verbraucherinnen und Verbraucher, die höhere Preise mittragen. Solange die Zahlungsbereitschaft im Handel und bei Verbraucher:innen begrenzt bleibt, zögern viele Betriebe, in höhere Standards zu investieren.
Jeder Antibiotikaeinsatz ist meldepflichtig, die Daten werden bundesweit im Herkunftssicherungs- und Informationssystem (HI-Tier) erfasst. 2024 wurden 562 Tonnen Antibiotika an Tierärzt:innen abgegeben. Das sind 67 Prozent weniger als noch 2011. Der Abwärtstrend ist klar, aber weitere Reduktion bleibt ein erklärtes Ziel der gesamten Branche.

Erzähl uns deine {Geschichte}

Was bedeutet Fleisch für dich? Teile deine Perspektive und mach mit!

Diese [Geschichten] könnten dich auch interessieren

Die meisten Fleischprodukte haben mindestens 100 oder 200 Jahre Vorsprung
Prof. Matthias Upmann
63 Jahre, Fachtierarzt für Lebensmittel und Professor für Fleischtechnologie an der TH Ostwestfalen-Lippe
Ich hinterfrage mich jeden Tag, ob das, was ich tue, im Sinne des Tieres und des Menschen ist.
Julia Exler
28 Jahre, Einkäuferin bei Brand Qualitätsfleisch in Lohne
Grillen ist kein Entweder-Oder-Thema
Denny Wellmann
34 Jahre, Leiter der Meatyou!-Grillschule in Oldenburg
Ich wünsche mir, dass die Menschen Fleisch bewusst kaufen und wissen, woher es kommt
Antonia Pentavec
34 Jahre, Metzgerin im EDEKA-Markt in Bensheim
Akzeptanz beginnt da, wo Diskussion wieder möglich wird
Sönke Hauschild
60 Jahre, Redakteur beim Bauernblatt Schleswig-Holstein
Jeder darf beim Thema Fleisch eine andere Meinung haben, sollte aber nicht verurteilt werden
Florian Richter
45 Jahre, Wagyuzüchter aus dem Taubertal