Florian Richter

45 Jahre, Wagyuzüchter aus dem Taubertal

Jeder darf beim Thema Fleisch eine andere Meinung haben, sollte aber nicht verurteilt werden

Wir haben mit zwei Tieren angefangen. Am Anfang wurden wir nur ausgelacht, sogar von unserem Tierarzt. Aber ich denke, Landwirtschaft muss nicht zwangsläufig bedeuten dicke Traktoren zu fahren. Es gibt viel mehr Möglichkeiten.

Meine Großeltern, geflüchtete Bauern aus Böhmen, haben sich hier vor über 70 Jahren aus dem Nichts einen Hof mit Schweinehaltung aufgebaut. Als mein Bruder und ich 2014 übernommen haben, hätten wir den Betrieb immer weiter vergrößern müssen, um zu überleben. Das wollten wir nicht. Hätten wir die Landwirtschaft aber ganz aufgegeben, hätte mein Vater das emotional nur schwer verkraftet. Die Idee mit den Wagyus konnte er dann gut mittragen. Heute ist der Hof ein echter Familienbetrieb. Mein Bruder und seine Familie tragen genauso ihren Teil dazu bei. Nur weil wir als Familie zusammenhalten und jeder mit anpackt, können wir diesen Weg gemeinsam gehen.

Wagyu-Rinder stammen ursprünglich aus Japan, sie sind keine Leistungsrasse, aber dafür bekannt, dass ihr Fleisch viel intramuskuläres Fett besitzt. Dadurch ist es sehr zart und hat einen besonderen Geschmack. Heute haben wir 85 Tiere und vermarkten komplett ab Hof. Wir kennen jedes Tier beim Namen. Ich finde es gibt nichts schöneres als die Rinder zu streicheln und ihnen beim Kauen auf der Weide zuzuschauen. Der Moment der Schlachtung ist der Schwerste für mich. Mir ist wichtig, dass die Menschen, die unser Fleisch kaufen, verstehen, dass dafür ein Tier gestorben ist. Da muss Wertschätzung da sein, sonst nehme ich mir auch mal raus, das Fleisch nicht zu verkaufen.

In meiner Kindheit hat es immer relativ wenig Fleisch gegeben. Sonntags gab es Braten. Es wurde sehr auf eine ausgewogene Ernährung geachtet. Es gab immer viel Gemüse und Mehlspeisen. Ich persönlich steh total auf Salat, und finde bei Fleisch ist weniger oftmals mehr.

Wagyu-Züchter Florian Richter mit seiner Familie auf dem Hof im Taubertal

Unter unseren Kunden sind viele Vegetarier. Ein veganes Ehepaar kam einmal Weihnachten zu uns. Im ersten Moment war ich ziemlich irritiert. Sie meinten, sie würden mit den Fleisch-Ersatzprodukten vieles hinbekommen, nur nicht die Rouladen der Oma. Nachdem wir Fleisch für sie rausgesucht hatten, wollte ich ihnen die Tiere zeigen. Erst hatten sie Angst, dass sie das Fleisch danach doch nicht essen würden. Ich habe ihnen gesagt, dass sie doch nicht Fleisch kaufen können, ohne die Tiere zu sehen und dass es auch ok ist, wenn sie es danach nicht kaufen. Am Ende waren wir 1,5 Stunden bei den Tieren. Sie kommen seitdem jedes Jahr an Weihnachten zu uns, um Rouladenfleisch zu kaufen und die Tier zu streicheln. Sonst essen sie kein Fleisch. Sowas macht mich stolz.

Ich finde, es geht bei solchen Fragen immer um gegenseitigen Respekt. Jeder darf beim Thema Fleisch eine andere Meinung haben, sollte aber nicht verurteilt werden. Wir müssen lernen, wieder mehr miteinander zu sprechen.

Florian Richter im Stall seines Wagyu-Hofs im Taubertal

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Worauf muss ich beim Einkauf von Fleisch direkt vom Hof achten?
Einige Landwirte verkaufen ihr Fleisch zusätzlich direkt im Hofladen. Beim Einkauf auf dem Hof achten Sie am besten auf gute Kühlung und eine saubere, verschlossene Verpackung. Wichtig ist auch den richtigen Zeitpunkt abzupassen: Informieren Sie sich z.B. über die Mailingliste des Hofes, wann neues Fleisch verfügbar ist. Auch dieser Verkaufsweg unterliegt strengen Regeln. Hygienevorschriften und amtliche Kontrollen gelten wie im Handel. Der Betrieb muss seinen Verkauf beim Veterinäramt anmelden, und für Schlachtung und Zerlegung braucht er eine amtliche Zulassung. So bietet der Einkauf direkt ab Hof in der Regel dieselbe Sicherheit wie der Einkauf im Handel. Weiterlesen: https://einkaufen-auf-dem-bauernhof.com/
Ein geschlossener Stall bedeutet nicht, dass etwas verborgen wird. Er schützt in erster Linie die Tiere. Krankheitserreger und Tierseuchen können über Kleidung, Schuhe oder Fahrzeuge in den Bestand gelangen. Deshalb entscheidet der Halter, wer wann zu den Tieren darf. Viele Höfe bieten Führungen und Hoffeste an die eine Begegnung mit den Tieren möglich machen. Auf der Weide gilt: Abstand halten, Tiere nicht füttern, Tore schließen und Hunde anleinen. Eine Weide ist kein Streichelzoo.
Fleisch gehört für die meisten Deutschen zu einer ausgewogenen Ernährung. Wie oft es auf den Tisch kommt, verändert sich: Laut BMLEH-Ernährungsreport 2025 essen 24 Prozent täglich oder mehrmals täglich Fleisch oder Wurst, 2015 waren es 34 Prozent. 37 Prozent bezeichnen sich als Flexitarier. Beim Einkauf achten 77 Prozent auf die Tierhaltung, 59 Prozent auf günstige Preise. Laut Umfragen wird die Frage nach Herkunft und Haltung immer wichtiger. Gute Tierhaltung und bezahlbare Preise zusammenzubringen, bleibt eine Herausforderung für Landwirtschaft und Handel. Weiterlesen: https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2025.html

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