Jeder darf beim Thema Fleisch eine andere Meinung haben, sollte aber nicht verurteilt werden
Wir haben mit zwei Tieren angefangen. Am Anfang wurden wir nur ausgelacht, sogar von unserem Tierarzt. Aber ich denke, Landwirtschaft muss nicht zwangsläufig bedeuten dicke Traktoren zu fahren. Es gibt viel mehr Möglichkeiten.
Meine Großeltern, geflüchtete Bauern aus Böhmen, haben sich hier vor über 70 Jahren aus dem Nichts einen Hof mit Schweinehaltung aufgebaut. Als mein Bruder und ich 2014 übernommen haben, hätten wir den Betrieb immer weiter vergrößern müssen, um zu überleben. Das wollten wir nicht. Hätten wir die Landwirtschaft aber ganz aufgegeben, hätte mein Vater das emotional nur schwer verkraftet. Die Idee mit den Wagyus konnte er dann gut mittragen. Heute ist der Hof ein echter Familienbetrieb. Mein Bruder und seine Familie tragen genauso ihren Teil dazu bei. Nur weil wir als Familie zusammenhalten und jeder mit anpackt, können wir diesen Weg gemeinsam gehen.
Wagyu-Rinder stammen ursprünglich aus Japan, sie sind keine Leistungsrasse, aber dafür bekannt, dass ihr Fleisch viel intramuskuläres Fett besitzt. Dadurch ist es sehr zart und hat einen besonderen Geschmack. Heute haben wir 85 Tiere und vermarkten komplett ab Hof. Wir kennen jedes Tier beim Namen. Ich finde es gibt nichts schöneres als die Rinder zu streicheln und ihnen beim Kauen auf der Weide zuzuschauen. Der Moment der Schlachtung ist der Schwerste für mich. Mir ist wichtig, dass die Menschen, die unser Fleisch kaufen, verstehen, dass dafür ein Tier gestorben ist. Da muss Wertschätzung da sein, sonst nehme ich mir auch mal raus, das Fleisch nicht zu verkaufen.
In meiner Kindheit hat es immer relativ wenig Fleisch gegeben. Sonntags gab es Braten. Es wurde sehr auf eine ausgewogene Ernährung geachtet. Es gab immer viel Gemüse und Mehlspeisen. Ich persönlich steh total auf Salat, und finde bei Fleisch ist weniger oftmals mehr.
Unter unseren Kunden sind viele Vegetarier. Ein veganes Ehepaar kam einmal Weihnachten zu uns. Im ersten Moment war ich ziemlich irritiert. Sie meinten, sie würden mit den Fleisch-Ersatzprodukten vieles hinbekommen, nur nicht die Rouladen der Oma. Nachdem wir Fleisch für sie rausgesucht hatten, wollte ich ihnen die Tiere zeigen. Erst hatten sie Angst, dass sie das Fleisch danach doch nicht essen würden. Ich habe ihnen gesagt, dass sie doch nicht Fleisch kaufen können, ohne die Tiere zu sehen und dass es auch ok ist, wenn sie es danach nicht kaufen. Am Ende waren wir 1,5 Stunden bei den Tieren. Sie kommen seitdem jedes Jahr an Weihnachten zu uns, um Rouladenfleisch zu kaufen und die Tier zu streicheln. Sonst essen sie kein Fleisch. Sowas macht mich stolz.
Ich finde, es geht bei solchen Fragen immer um gegenseitigen Respekt. Jeder darf beim Thema Fleisch eine andere Meinung haben, sollte aber nicht verurteilt werden. Wir müssen lernen, wieder mehr miteinander zu sprechen.
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