Sönke Hauschild

60 Jahre, Redakteur beim Bauernblatt Schleswig-Holstein

Akzeptanz beginnt da, wo Diskussion wieder möglich wird

Als Kind wurde mir noch „Bauer“ auf dem Schulhof hinterhergerufen. Wir hatten auf unserem Hof Schweine und Rinder. Wenn wir die Tiere auf den Schlachthof gebracht haben, haben wir danach ein Mettbrötchen in der Kantine gegessen. Für mich war Fleisch zu essen immer ganz selbstverständlich.

Wenn ich heute erzähle, dass ich mit Landwirtschaft zu tun habe, sind die meisten Menschen interessiert. Ich arbeite als Redakteur beim Bauernblatt und war viele Jahre Social Media Manager für den Bauernverband. Ich will, dass die Menschen wieder einen realistischen Blick auf Tierhaltung bekommen. Die Beziehung zwischen Landwirtschaft und der Gesellschaft war mir immer wichtig.

Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen bewusst mit der Herkunft und Erzeugung von Fleisch auseinandersetzen, aber ich halte nichts von Verboten, sondern davon Menschen wirklich zu überzeugen. Sie sollten verstehen, was sie davon haben, wenn die Tiere anders gehalten werden. Jeder Verbraucher sollte selbst aussuchen dürfen, was sein Portemonnaie und sein Kopf hergeben. Die Wertschätzung sollte immer da sein. Fleisch ist ein Produkt, das eine ganze Zeit braucht, bis es überhaupt da ist.

Ich versuche Landwirte mit Menschen aus ihrer Umgebung zusammen zu bringen, zu denen sie bisher keinen Kontakt hatten. Wir veranstalten Grill-Events. Dabei ist es egal, was auf dem Grill liegt. Dieses „Ich bin gut und du bist böse.“, das mag ich nicht. Egal, ob sie Fleisch essen, oder nicht, am Grill hören die Menschen einander zu und können sich in die Augen blicken. Wenn sie zusammen grillen, verbringen sie eine gute Zeit miteinander, und können andere Meinungen leichter akzeptieren. Dieses Gemeinsame, das Zusammensein beim Essen ist mir sehr wichtig. Vor allem wenn ich Fleisch esse.

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Welche Erwartungen haben Verbraucher heute an die Landwirtschaft und die Erzeugung ihrer Lebensmittel?
Tierwohl, Regionalität und Transparenz stehen ganz oben. Laut BMLEH-Ernährungsreport 2025 achten 65 Prozent beim Einkauf auf das Tierwohllabel, 2015 waren es noch 36 Prozent. 79 Prozent achten auf die Haltungsbedingungen der Tiere. Der Wunsch nach Einblick wächst. Die Zahlungsbereitschaft und Nachfrage hält damit allerdings nicht immer Schritt.
Steigende Betriebskosten, wachsende Bürokratie und klimabedingte Ernteausfälle belasten Höfe massiv. Hinzu kommt Planungsunsicherheit durch häufig wechselnde Rahmenbedingungen. Viele Betriebe wären bereit, ihre Ställe tiergerechter umzubauen. Was fehlt, ist eine verlässliche Finanzierung und die Nachfrage dafür.
Angebot und Nachfrage bestimmen den Rahmen, Handelsklassen und Qualitätskriterien den Preis im Detail. Die Schwankungen sind teils erheblich. Wie viel beim Landwirt ankommt, ist oft entfernt von dem Preis auf der Packung. Erzeuger, Handel und Verarbeitung arbeiten im Austausch daran, den Markt fairer und weniger volatil zu gestalten.

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