Warum Eisen nicht gleich Eisen ist
Eisen ist Eisen, so lautet die verbreitete Annahme. Die Studienlage zeichnet ein differenzierteres Bild. In einem randomisierten Versuch mit Kindern im Alter von vier bis acht Jahren wurde dieselbe Mahlzeit einmal mit Rindfleisch, einmal mit Sojaprotein zubereitet. Das Ergebnis: Die Eisenaufnahme aus der Rindfleischvariante war in diesem Versuchsaufbau mit 7,6 Prozent mehr als doppelt so hoch wie aus der Soja-Variante mit 3,5 Prozent. Auch Zink wurde signifikant besser aufgenommen. Der Mechanismus dahinter ist der sogenannte Meat Factor. Was genau dahintersteckt, haben wir bereits in einem eigenen Beitrag erklärt.
Warum eine rein pflanzliche Ernährung gut geplant sein sollte
Eine Metaanalyse zu vegan ernährten Kindern fand trotz teils höherer Eisenzufuhr niedrigere Ferritinspiegel im Blut. Ferritin ist ein Marker für die Eisenspeicher des Körpers. Das kann darauf hindeuten, dass Eisen aus rein pflanzlichen Quellen im Alltag nicht in gleichem Maße verfügbar ist wie angenommen. Ein Grund können Phytate sein, natürliche Verbindungen in Getreide und Hülsenfrüchten, die die Eisenaufnahme im Darm hemmen können.
Ein systematisches Review zu Kindern zwischen zwei und 18 Jahren berichtet zudem, dass bei pflanzenbasierter Ernährung bestimmte Nährstoffe häufiger kritisch sein können, insbesondere Vitamin B12, Eisen und Zink. Vor allem bei veganer oder stark pflanzenbasierter Ernährung sollten diese Nährstoffe daher gezielt im Blick behalten werden. Mit guter Planung, geeigneten Lebensmitteln und bei Bedarf entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln lässt sich eine ausreichende Versorgung erreichen. Ohne dieses genaue Hinschauen kann das Risiko steigen, dass einzelne Nährstoffe nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Der aktuelle Stand in Deutschland
Die Ernährungsstudie EsKiMo II des Robert Koch-Instituts liefert dazu eine nüchterne Bestandsaufnahme: Die Eisenzufuhr liegt bei Kindern und Jugendlichen mehrheitlich unterhalb der Empfehlungen. Bei Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren ist die Situation besonders deutlich: Sie sind die einzige Gruppe, bei der die Zufuhr auch unter dem Durchschnittsbedarf liegt. Fleisch und Wurstwaren zählen laut EsKiMo II, neben Brot und Milchprodukten, zu den wichtigsten Zinkquellen quer durch alle Altersgruppen. Auch als Eisenlieferant spielen sie eine Rolle, wenngleich Brot mengenmäßig vorn liegt. Der Unterschied liegt in der Qualität der Aufnahme: Hämeisen aus Fleisch wird vom Körper effizienter verwertet.
Wie eine ausgewogene Kinderkost aussehen kann
Das meistgenutzte Ernährungsmodell für Kinder und Jugendliche in Deutschland ist die „optimierte Mischkost“, entwickelt vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Bochum. Fleisch gehört bei dieser Mischkost ausdrücklich dazu, neben reichlich Gemüse, Kartoffeln oder Vollkornnudeln als fester Bestandteil der warmen Mahlzeit.
Auch die Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) ordnet Fleisch, Fisch und Ei als eigene
Lebensmittelgruppe ein. Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ der Bundeszentrale für Ernährung, empfiehlt tierische Lebensmittel als festen Bestandteil einer ausgewogenen Kinderkost. Hier wird betont dass Fleisch Nährstoffe liefert, die sich aus rein pflanzlichen Quellen schwerer ersetzen lassen. Gleichzeitig gilt: Eine gute Kinderkost ist nährstoffdicht und abwechslungsreich. Gemüse, Hülsenfrüchte und Fisch gehören bei allen Empfehlungen ausdrücklich dazu.