Mist! …einmal positiv gemeint

Warum Pflanzenanbau und Tierhaltung öfter zusammengehören, als viele denken.
Illustration einer Person, die eine Kuh an einem Führstrick begleitet. Die Darstellung symbolisiert die Arbeit in der Landwirtschaft, den verantwortungsvollen Umgang mit Nutztieren und die enge Verbindung zwischen Mensch und Tier.
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Mist! …einmal positiv gemeint
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Mist! …einmal positiv gemeint
Erbsensuppe, Hafermilch, Vollkornbrot, die Möhre im Eintopf: Was auf den ersten Blick rein pflanzlich wirkt, hat oft eine tierische Vorgeschichte. Denn die Böden, auf denen Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte wachsen, brauchen Nährstoffe und ein erheblicher Teil davon stammt aus der Tierhaltung. Mist und Gülle halten Äcker seit Generationen fruchtbar. Zehn Schweine liefern genug Dünger für einen Hektar Ackerland. Bei Rindern reicht für diese Fläche sogar ein einziges Tier. Ein Kreislauf, der im Alltag oft übersehen wird obwohl er auf fast jedem Teller landet.

Worin der unsichtbare Kreislauf besteht
Tierhaltung und Pflanzenbau sind enger verbunden, als es vielen bewusst ist. Was Rinder und Schweine ausscheiden, landet nicht im Abfall sondern auf dem Acker. Dort versorgt es Böden mit Nährstoffen, die Pflanzen zum Wachsen brauchen: Phosphor, Kalium, Schwefel und weitere wichtige Nährstoffe. Forschende der Christian-Albrechts-Universität Kiel beschreiben diese organischen Dünger als nahezu gleichwertig zu industriell hergestellten Mineraldüngern, zumindest bei den meisten Nährstoffen. Beim Stickstoff nutzt die Pflanze je nach Ausbringungsmethode zwischen 50 und 85 Prozent. Diese Verfügbarkeit wird durch technische Innovationen immer besser. Zehn Mastschweine liefern so mit ihrer Jahresgülle genug Stickstoff für einen Hektar Ackerland. Bei Rindern reicht dafür schon ein einziges Tier. Ohne diese Nährstoffquelle müssten Landwirte deutlich mehr Mineraldünger einsetzen mit entsprechenden Kosten und auch Umweltfolgen.

Tiere fressen, was Menschen nicht essen

Im Idealfall funktioniert das System in beide Richtungen. Tiere verwerten Reste und Nebenprodukte aus dem Pflanzenbau was Stroh, Kleie, Spelzen, Pressrückstände sind und geben die Nährstoffe anschließend über ihre Ausscheidungen, die Gülle und den Mist, zurück an den Boden. Forschende sprechen von einem zirkulären System. Was auf dem Feld wächst, ernährt das Tier; was das Tier ausscheidet, ernährt das Feld.

Ganz geschlossen ist dieser Kreislauf allerdings nie. Stickstoff geht an verschiedenen Stellen verloren z.B. durch Ausgasung in die Luft beim Ausbringen der Gülle, durch Auswaschung ins Grundwasser oder durch Umwandlungsprozesse im Boden. Der Kreislauf funktioniert, aber er hat hier und da Lücken. Wie groß diese Lücken sind, hängt von mehreren Faktoren wie der Ausbringungstechnik, der Tierdichte in einer Region und der Fruchtfolge auf dem Acker ab. Forschung und Landwirtschaft arbeiten beständig daran diese Lücke immer weiter zu schließen. Denn wo Tiere und Fläche aus dem Gleichgewicht geraten, entstehen Umweltprobleme, die niemand will.

Was sich in Deutschland verändert hat

In den letzten Jahren hat sich in der deutschen Landwirtschaft einiges getan. Seit 2017 wurden die Düngeregeln verschärft, der Einsatz von Mineraldünger ging um rund 40 Prozent zurück, und die Effizienz bei der Gülleausbringung ist deutlich gestiegen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Laut Umweltbundesamt wurden die Stickstoff-Zielwerte für 2030 bereits 2023 erreicht. Das entspricht vermiedenen Umweltkosten von rund 3,2 Milliarden Euro pro Jahr im Vergleich zu 2016. Die Nährstoffbilanz der deutschen Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren spürbar verbessert.

Gülle und Humus: Was die Forschung zeigt

Ein Aspekt, der oft übersehen wird: Gülle kann auch zur langfristigen Bodenfruchtbarkeit beitragen. In einem Feldversuch über neun Jahre haben Forschende untersucht, wie Gülledüngung und Fruchtfolge den organischen Kohlenstoffgehalt im Boden beeinflussen. Das Ergebnis: Die Kombination aus Gülledüngung und einer vielfältigen Fruchtfolge, etwa mit Kleegras, zeigt positive Effekte auf den Humusgehalt. Allerdings warnen Forschende davor, die Humuswirkung von Gülle zu überschätzen. Das enge Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff in der Gülle begrenzt den Effekt. Entscheidend sei vor allem der Futterbau, also die Art, wie Tiere ernährt werden und welche Flächen dafür genutzt werden. Reine Mineraldüngung hingegen führt in vielen Langzeitstudien zu Humusabbau. Organische Dünger schneiden hier besser ab.

Vom Acker auf den Balkon

Der Bogen kann bis in den Alltag reichen. Hornspäne, ein beliebter Dünger für Balkon- und Gartenpflanzen, stammen aus Rinderklauen und -hörnern. Auch viele organische Dünger, die im Gartencenter stehen, sind tierischen Ursprungs und entstehen aus Nebenströmen der Landwirtschaft und Fleischproduktion. Sie sind Teil desselben Kreislaufs, der auch auf dem Feld funktioniert. Tiere nehmen Nährstoffe auf, geben sie in veränderter Form zurück: an den Boden, an die Pflanze, an die nächste Ernte. Und damit auch an die Erbsensuppe, den Haferdrink im Müsli, das Vollkornbrot und die Möhre im Eintopf. Wer pflanzlich isst, isst nicht „ohne Tier“ sondern mit einer tierischen Vorgeschichte, die auf fast jedem Teller mitschwingt. Ein Kreislauf, der Jahrtausende alt ist und der auch in einer Welt mit weniger Fleischkonsum nicht einfach verschwindet. Die Frage ist nicht ob, sondern wie er gestaltet wird.

Stand:

Du willst es ganz genau wissen?

KTBL Schrift 502 (2014): Festmist- und Jaucheanfall, Mengen und Nährstoffgehalte https://www.ktbl.de/fileadmin/produkte/leseprobe/11502excerpt.pdf

Düngebehörde Niedersachsen / LWK Niedersachsen: Richtwerte organische Wirtschaftsdünger (2021) https://www.duengebehoerdeniedersachsen. de/duengebehoerde/thema/692_Richtwerte_Tier

Taube, F., Nyameasem, J. K., & Fenger, F. (2024). Closed-loop combined crop–livestock farming systems.
Alderkamp, L. M. et al. (2025). Integrating crop and dairy production systems: Exploring different strategies to achieve environmental targets.

LfL Bayern: Ertragswirkung verschiedener Stallmistarten https://www.lfl.bayern.de/iab/duengung/030160/index.php

Nunes, E., Gonçalves, J., Pecoraro, C., Bumbieris, V., & Filho, J. (2023). Nutrients in swine manure for use as soil fertilizer. Revista Brasileira de Engenharia Agrícola e Ambiental. https://doi.org/10.1590/1807-1929/agriambi.v27n11p858-863.

Nyameasem, J. K. et al. (2024). The effects of fertilizer pretreatment on nitrogen cycling in an intensively managed temperate grassland.

Herrmann, A. et al. (2017). Effect of biogas digestate, animal manure and mineral fertilizer application on nitrogen flows.

Hinweis:

Als Initiative Fleisch ist es unser Anliegen, fundiertes Wissen rund um Fleisch transparent und differenziert darzustellen. Die hier dargestellten Studienergebnisse dienen der Einordnung und Information. Sie erlauben keine pauschalen Aussagen über einzelne Lebensmittel oder deren direkte gesundheitliche Wirkung. Unser Ziel ist es eine sachliche, ausgewogene und faktenbasierte Auseinandersetzung zum Thema Fleisch zu ermöglichen.

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