Warum Eiweiß im Futtertrog so wichtig ist
Eiweiß ist für Schweine und Rinder das, was es auch für uns ist, ein wichtiger Grundbaustein. Es sorgt für Muskelwachstum, unterstützt das Immunsystem und ist bei Rindern auch für die Milchbildung unverzichtbar. Ohne ausreichend hochwertiges Protein läuft im Stall oder auf der Weide nichts. Welche Pflanze dabei die beste Quelle ist, hängt vom Tier ab. Erbsen und Ackerbohnen eignen sich gut für Schweine, Raps dagegen funktioniert gut in der Rinderfütterung. Die Sojabohne war lange die einfachste Antwort auf all das, weil sie viel Protein liefert und für viele Tiere gut verfügbar war. Jetzt holen die heimischen Alternativen auf.
Was regionale Futterpflanzen für unsere Umwelt bedeuten
Erbsen, Ackerbohnen und Co. sind dabei mehr als reine Eiweißlieferanten. Ihre Wurzeln arbeiten mit Bodenbakterien zusammen und binden Stickstoff aus der Luft. Das führt zu einer natürlichen Düngung, spart Kunstdünger, verbessert den Boden und senkt laut Studien auch Treibhausgasemissionen. Die Blüten der Pflanzen bieten darüber hinaus Bienen und anderen Bestäubern wichtige Nahrung. Wer heimische Eiweißpflanzen anbaut, tut so dem Boden, dem Klima und der Artenvielfalt gleichzeitig etwas Gutes. Raps spielt dabei eine besondere Rolle. Als Nebenprodukt der Ölgewinnung liefert Rapsschrot bereits heute wertvolles Eiweiß vor allem für Rinder, wo er importiertes Soja gut ersetzen kann.
Was als nächstes kommt
Forschende schauen bereits auf das, was über klassische Feldfrüchte hinausgeht. Was sich als menschliches Powerfood in Form von Proteinriegeln nicht durchsetzen konnte, wird im Schweinestall als eine Chance für mehr Nachhaltigkeit gesehen. Insektenmehl, das aus der speziell gezüchteten schwarzen Soldatenfliege entsteht. Es steckt voller Protein und lässt sich mit einem Bruchteil der Fläche und des Wassers produzieren, die andere Eiweißträger benötigen würden. Erste Versuche und Studien deuten darauf hin, dass Schweine damit ähnlich gut versorgt werden können wie mit herkömmlichem Kraftfutter. Auch Algen sind im Gespräch als proteinreiche, flächensparende Alternative mit positiver Umweltbilanz zu Soja. Beide Alternativen sind heute noch teurer als klassische Futtermittel, werden aber in der Landwirtschaft bereits getestet und intensiv beforscht.
Was die Branche bereits tut
Die Fleischwirtschaft wartet allerdings nicht auf perfekte Bedingungen. Die Premium Food Group (ein Unterstützer der Initiative Fleisch) hat seit 2017 den Sojaeinsatz in der Schweinefütterung um 25 Prozent gesenkt und das u.a. durch den gezielten Einsatz heimischer Eiweißpflanzen und nachhaltig zertifizierter Alternativen erreicht. Das Ziel ist bis 2030 vollständig auf Soja aus Südamerika zu verzichten. Seit April 2023 gilt zudem im QS-System branchenweit die Pflicht, nur noch Soja einzusetzen für das kein Urwald gerodet wurde, ein Standard, der die gesamte Lieferkette umfasst. Über 90 Prozent des Fleisches im deutschen Handel zeichnet das QS-Siegel bereits aus. Auch was der oder die Einzelne kauft zählt. Wer beim Fleischeinkauf nach Herkunft und Haltung fragt, auf regionale oder das QS Siegel achtet, schafft Anreize für eine Landwirtschaft, die das Futter ihrer Tiere immer öfter aus der Nachbarschaft bezieht.