Warum der Lebensmittelanbau immer Reste produziert
Wir essen nicht die ganze Weizenpflanze: wir ernten die Körner und lassen das Stroh zurück. In der Mühle wird das Mehl von den Schalen und dem Keim des Getreidekorns getrennt. Selbst ein so alltägliches Produkt wie Hafermilch zeigt das deutlich: Von einem Kilogramm Hafer landen gerade einmal 380 Gramm im Haferdrink, der Rest sind Pressreste und Schalen, die als Tierfutter enden. Auf dem Acker braucht es zudem Anbaupausen mit Zwischenkulturen, die am Ende niemand auf dem Teller hat. Und dann ist da noch das Grünland, das sich schlicht nicht für Ackerbau eignet aber ein wichtiger Co2-Speicher ist. All das ergibt zusammen: Für jedes Kilogramm veganes Lebensmittel entstehen mindestens vier Kilogramm nicht-essbare Biomasse, so lautet die Einschätzung von Prof. Wilhelm Windisch langjähriger Agrarwissenschaftler an der TU München. Diese Biomasse ist nicht wertlos. Sie steckt voller Nährstoffe. Aber der Mensch kann damit nicht viel anfangen, zumindest nicht direkt.
Wer die Lücke schließt
Rinder, Schweine und andere Tiere können diese enormen Mengen an nicht-essbarer Biomasse in hochwertiges Protein verwandeln, in Fleisch, Milch und Eier. Gerade Wiederkäuer sind dabei besonders effizient: Sie fressen faserreiches Material, das kein Magen-Darm-Trakt des Menschen verarbeiten könnte, und machen daraus erstklassige Lebensmittel. Prof. Windisch nennt das „fast schon veganes Protein“, denn es entsteht ohne jede Nahrungskonkurrenz zum Menschen, zusätzlich zu den pflanzlichen Lebensmitteln. Würde man die Nutztiere abschaffen, bliebe diese Biomasse ungenutzt. Die Lücke mit mehr Ackerbau zu schließen, würde bedeuten: mehr Waldrodung, mehr Moorentwässerung, mehr Emissionen. Das wäre definitiv kein Gewinn für die Umwelt, sondern das Gegenteil.
Pflanzlich und tierisch sind EIN Team
Hafer, Soja, Getreide sind wertvolle Grundlagen unserer Ernährung. Aber gerade ihre Verarbeitung zu Brot, Drinks oder Ersatzprodukten erzeugt jene Biomasse, die am sinnvollsten durch Nutztiere verwertet wird. Pflanzlich und tierisch sind in diesem System keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Landwirtschaft. Die eigentliche Frage ist also nicht, Fleisch oder kein Fleisch. Die Frage ist: Wie nutzen wir das, was die Landwirtschaft ohnehin produziert, so intelligent wie möglich?